Frauenschuh-Projekt

Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) ist eine der schönsten und zugleich gefährdetsten Orchideenarten in Deutschland. Mit diesem Projekt wirkt der Geo-Naturpark dem Rückgang der Art in unserer Region entgegen.

 

Merkmale und Blüte

Der Frauenschuh erreicht eine Wuchshöhe von 15 bis 60 cm und besitzt unter den europäischen Orchideen die größten Einzelblüten. Der gelbe „Schuh“, der von purpur- bis schokoladenbraunen Blütenhüllblättern umgeben ist, verleiht ihm seinen Namen. Aber auch die stängelumfassenden Blätter mit den starken Längsfalten, die Regenwasser zum Stängel hin ableiten, sind sehr charakteristisch. In der Mythologie zählt der Frauenschuh zu den Begleitpflanzen der Göttin Frau Holle.

Die Blüte bildet eine sogenannte „Kesselfalle“. Bestäuber (meist Sandbienen der Gattung Andrena) werden an einem Ende hineingelockt und bei ihrem Weg hinaus zur Bestäubung gezwungen – so spart sich der Frauenschuh die Produktion von Nektar. Sandbienen sind aber auf offene Bodenstellen angewiesen, ohne diese fehlen dem Frauenschuh die Bestäuber. Häufigere Insekten wie Honigbienen oder Hummeln interessieren sich nicht für seine Blüte. Durch diese Kesselfallen-Vorrichtung ist Selbstbestäubung praktisch ausgeschlossen.

 

Lebenszyklus und Lebensraum

Der Frauenschuh entwickelt sich sehr langsam. Bis zur Bildung von Blüten kann es 10 Jahre oder sogar länger dauern. Unter optimalen Bedingungen können die Pflanzen jedoch sehr alt werden.

Ihre winzigen Samen benötigen zum Keimen und Wachsen einen optimalen Lebensraum mit kalkhaltigen Böden, ausreichend Schatten von z.B. Waldrändern und einem ganz bestimmten „Mykorrhiza-Pilz“ (Rhizoctonia spp.). Pilz und Pflanze leben in Symbiose, ohne den Pilz kann der Frauenschuh nicht gedeihen.

 

Bestand

Diese wildwachsende Orchidee ist deutschlandweit sehr lückenhaft verbreitet und kommt in Hessen nur in den nördlichen und östlichen Teilen vor. Hier liegen die Schwerpunkte im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Kassel. Dem Werra-Meißner-Kreis kommt daher bei der Erhaltung des Frauenschuhs eine besondere Verantwortung zu. Aber auch die hier vorkommenden Bestände befinden sind im Rückgang, die Pflanzen vermehren sich teilweise nicht mehr.

 

Schutz und Gefährdung

Der Frauenschuh ist in Deutschland streng geschützt und steht zusätzlich durch die FFH-Richtlinie (Fauna-Flora-Habitat) der Europäischen Union unter gesetzlichem Schutz. Dort ist er in den Anhängen II und IV gelistet.

Gründe für den Rückgang sind der Verlust von Lebensräumen durch veränderte Waldnutzung, Isolation der Bestände (Bestäubungsprobleme, fehlender genetischer Austausch) sowie das Ausgraben der wertvollen Pflanzen durch Menschen (aufgrund des fehlenden „Mykorrhiza-Pilzes“ überlebt er das Umpflanzen jedoch nicht). Auch die Trockenheit der Jahre 2018-2020 haben den Frauenschuhbeständen zugesetzt. 

Die extrem lange Entwicklungsphase und die besonderen Ansprüche an den Lebensraum machen eine Neubegründung von Vorkommen des Frauenschuhs in der Natur ausgesprochen schwierig. Daher ist es überaus wichtig, diese Lebensräume zu erhalten. Untersuchungen, Schutz und Pflege dieser Standorte werden im Werra-Meißner-Kreis seit vielen Jahren durch Behörden (Forstämter, Obere Naturschutzbehörde, Hess. Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) sowie den Arbeitskreis Heimische Orchideen Hessen e.V. und den Geo-Naturpark umgesetzt.

 

Ziele des Frauenschuhprojekts beim Geo-Naturpark

Zusätzlich zu den bisherigen Bemühungen verschiedener Institutionen findet eine Nachzucht von Frauenschuh-Orchideen aus heimischen (autochthonen) Beständen statt.

Dabei arbeiten wir mit der Schweizerischen Orchideenstiftung zusammen, die ein solches Projekt in der Schweiz bereits durchgeführt hat. Anzuchtpartner ist die Firma Anthura aus Holland, die das Projekt in der Schweiz finanziert hat und über große Erfahrung in der Nachzucht des Frauenschuhs verfügt. Sobald die nachgezogenen, jungen Frauenschuhpflänzchen ausreichend kräftig für ihre Auspflanzung sind, werden sie an für sie geeigneten Orten in der Natur gesetzt. Dies können auch solche sein, an denen die Bestände bereits erloschen sind. Dafür werden die Standorte zunächst bezüglich ihrer Wuchsbedingungen optimiert.

Dieses mehrstufige Vorgehen, Pflege bestehender und parallel dazu Aufbau neuer Bestände, sorgt langfristig für eine bessere Vernetzung der Bestände, die die natürliche Reproduktion fördert.

 


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