Die ehemalige Quarzsand-Kiesgrube Braunrod bietet einen Sonderlebensraum für zahlreiche teils seltene Tierarten, der aber zu verbrachen droht. Durch Sicherung der Fläche für den Naturschutz und gezielte Pflegemaßnahmen soll diese kleine Schatzkiste der Artenvielfalt erhalten und gefördert werden.
Lage und Hintergrund
Der ca. 4 ha große ehemalige Tagebau aus den 70er Jahren befindet sich direkt am Grünen Band Hessen. Nach Abschluss des Abbaus war zunächst eine Verfüllung des Gebiets geplant. Auf Initiative des Naturschutzes erhielt es im Jahr 2018 stattdessen lediglich die gesetzlich notwendigen Böschungen im Rahmen einer Teilverfüllung (mit Tunnelaushub der A 44), während der Großteil der sehr artenreichen Fläche erhalten blieb. Im Rahmen des Naturschutzprojekts Braunrod konnte das Gebiet Anfang 2026 durch das Land Hessen gekauft und somit langfristig für den Naturschutz gesichert werden.
Sonderlebensräume und Artenvielfalt
Das Gebiet enthält eine Fülle an Sonderlebensräumen: Kleine Gewässer beherbergen teils seltene Amphibien wie die Geburtshelferkröte und verschiedene Libellen. Steinige und besonnte Strukturen (auch der Tunnelaushub) bieten ideale Versteckmöglichkeiten für geschützte Reptilien wie die Zauneidechse und die Schlingnatter. In sandigen Abbruchkanten bauen zahlreiche Wildbienen ihre Nester, während hier und auf kiesigen Bereichen seltene Heuschrecken wie die Blauflüglige Ödlandschrecke und Blauflüglige Sandschrecke vorkommen. An blütenreichen Säumen finden verschiedene Bestäuber wie Schmetterlinge Nahrung. Die Heckenstrukturen und Gehölze bieten Lebensraum für die Haselmaus, und in Kombination mit den Gewässern finden hier stark gefährdete Fledermäuse wie Bechsteinfledermaus und Mopsfledermaus Nahrung.
Vernetzung und Biotopverbund
Ergänzt wird der Lebensraum für die Fledermäuse durch mögliche Quartiere in ca. 200 Jahre alten Eichen im Gebiet sowie im direkt angrenzenden FFH-Gebiet Werra- und Wehretal, das unter anderem für den Schutz der Bechsteinfledermaus ausgewiesen wurde. Das Gebiet hat mit seinen zahlreichen Lebensräumen eine wichtige Vernetzungsfunktion entlang des Grünen Bandes für die genannten Tierarten, die zum Teil fliegen können – zum Teil aber auch nur langsam zu Fuß unterwegs sind und Trittsteine benötigen.
Verbuschung und Verlust der Lebensräume
Diese Funktion als Sonderlebensraum hat das Gebiet besonders in den ersten Jahren nach Einstellung des Betriebs und mit dem Aufwuchs dichter Hecken und einzelner Gehölzstreifen erfüllt. Mehrere Jahrzehnte später ist die Sukzession aber stark vorangeschritten: Das Gebiet droht zu verbuschen und die Gewässer stellenweise zu verlanden. Abbruchkanten sind von Pflanzen überwachsen und junge Bäume nehmen den ehemals besonnten Bereichen das Licht. Die wertvollen Lebensräume drohen, verloren zu gehen.
Natürliche Dynamik und anthropogene Lebensräume
Solche Sonderlebensräume mit offenen sandigen und kiesigen Bereichen, Abbruchkanten und temporären Gewässern entstehen in natürlichen Landschaften z.B. durch die Dynamik von Flüssen, deren Bett sich regelmäßig ändert. In unserer anthropogenen (durch den Menschen geprägten) Landschaft gibt es solche Lebensräume praktisch nur noch in Abbaugebieten. Diese simulieren durch große Maschinen eine solche natürliche Dynamik und können daher besonders wertvoll für den Naturschutz sein. Fehlt die Nutzung, gehen auch die Dynamik und damit die Lebensräume verloren.
Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen
Um diesen Lebensraumverlust zu verhindern, hat der Landschaftspflegeverband (LPV) beim Geo-Naturpark Frau-Holle-Land im Jahr 2025 das Projekt Braunrod begonnen und die Koordination übernommen. Nach dem Ankauf der Fläche sind über Mittel des Grünen Bands Maßnahmen zur Entbuschung und Heckenpflege geplant. Durch Einsatz eines Baggers sollen wieder kleinräumig offener Boden und Abbruchkanten geschaffen und die Gewässer erhalten werden. Wiederkehrende Maßnahmen simulieren so gezielt eine natürliche Dynamik und ermöglichen sowohl den Erhalt, als auch die Weiterentwicklung dieser Sonderlebensräume.
Außerdem findet ein Monitoring im Gebiet statt, um die Artenvorkommen zu dokumentieren und verloren gegangene Arten möglicherweise wieder anzusiedeln.
Weitere Projekte mit hoher Artenvielfalt in ehemaligen Abbaugebieten im Werra-Meißner-Kreis sind das Naturschongebiet Werratalsee und Niederhoner Feld.
Stand: Februar 2026