Brüder Grimm

Die Brüder Grimm haben erheblich dazu beigetragen, dass die Märchen und Sagen unserer Vorfahren, wie die Geschichten rund um die bei uns ansässige Frau Holle, nicht in Vergessenheit geraten sind. Dank ihnen und ihrer unermüdlichen Arbeit kommen Kinder auf der ganzen Welt mit den Märchen unserer Region in Kontakt und unser wertvolles kulturelles Erbe wird so weitergetragen.

Geboren wurden die unzertrennlichen Brüder Jacob Ludwig Carl und Wilhelm Carl Grimm am 4. Januar 1785 und 24. Februar 1786 im südhessischen Hanau. Jacob und Wilhelm hatten noch vier weitere Geschwister: Carl, Ferdinand, Ludwig Emil und Charlotte, mit denen sie ihre frühe Kindheit in dem kleinen Städtchen Steinau an der Straße verbrachten. Der frühe Tod ihres Vaters führte die Brüder schon während ihrer Kindheit nach Kassel, wo sie bei ihrer Tante lebten und auf das Gymnasium "Lyceum Fridericianum" gingen. Die Mutter und die übrigen Geschwister blieben in Steinau.

Ihr Studium der Rechtswissenschaften absolvierten beide Brüder in Marburg, wo sie begannen, sich für die deutsche Sprache und Literatur zu interessieren. Nach seinem abgebrochenen Studium kehrte Jacob 1806 nach Kassel zurück und war dort später als Bibliothekar des neuen Königs von Kassel tätig. Der französische Kaiser Napoleon hatte nach der Eroberung der Stadt seinen Bruder Jérôme Bonaparte zum König des "Westphälischen Königreiches" ernannt.

Während dieser Zeit fingen die Brüder an, Volkslieder, Märchen und Sagen zu sammeln. Teils um für diese zu recherchieren, teils um Verwandte zu besuchen, unternahmen sie viele Reisen durch Nordhessen. Gesichtete Tagebucheinträge und Briefe zeigen heute, wie sehr sie ihrer neuen Heimat verbunden waren und wie gern sie hier lebten. 1812 erschienen die von beiden Brüdern gesammelten Märchen als Buch. Der 2. Teil der berühmten "Kinder-und Hausmärchen" folgte 1814. Heutzutage kennen fast alle Menschen auf der Welt die berühmten Märchen wie "Dornröschen", "Frau Holle", "Rotkäppchen" und "Schneewittchen" - auch Dank der Übersetzungen in über 170 Sprachen. Über zweihundert Texte haben Jacob und Wilhelm Grimm bis zu ihrem Tod zusammengetragen, wobei sie sowohl aus mündlichen Überlieferungen, als auch aus schriftlichen Quellen geschöpft haben. Doch spielten Erinnerungen an Geschichten aus ihrer eigenen Kindheit für ihre Sammlungen kaum eine Rolle. Vielmehr wurden sie von über fünfzig eher jungen Märchenbeiträgerinnen und -beiträgern, vor allem aus Hessen und Westfalen, unterstützt, die alle hauptsächlich aus den gebildeten Schichten der Gesellschaft stammten. Einen besonderen Anteil an den Sammlungen hatte die hessische Bäuerin Dorothea Viehmann. Sie stammte aus einer hugenottischen Familie und konnte aus ihrem Gedächtnis mehr als 40, zu einem großen Teil französische Märchen, exakt wiedergeben.

Den entscheidenden Anstoß zur Beschäftigung mit der "Volkspoesie" bekamen die Brüder schon während ihrer Marburger Studienzeit von ihrem Lehrer, dem Rechtshistoriker Carl Friedrich von Savigny, und dessen Schwager Clemens Brentano. Nachdem die Franzosen im Jahr 1813 Kassel wieder verlassen mussten, arbeiteten Jacob und Wilhelm Grimm als Bibliothekare in Kassel. Diese Zeit war Jacob Grimm zufolge die "ruhigste, arbeitsamste und vielleicht auch fruchtbarste Zeit" ihres Lebens. Nach der Herausgabe der ersten großen Sammlung, der "Kinder- und Hausmärchen", veröffentlichten die Brüder 1916 und 1918 nun ihre zweite Sammlung, die "Deutsche Sagen". Deren beiden Bände umfassen 579 Sagen aus dem gesamten deutschen Sprachraum.

Wilhelm heiratete 1825 die Apothekertochter Dortchen Wild aus Nentershausen. Jacob blieb zeitlebens unverheiratet, lebte aber weiterhin im Haushalt seines Bruders. Aufgrund jahrelanger Spannungen mit dem hessischen Kurfürsten, kamen die Brüder 1829 dem Ruf an die Göttinger Universität nach. Dort bekleideten sie Bibliothekars- und Professorenstellen. Ab 1837 engagierte sich der liberal gesonnene Jacob Grimm politisch und protestierte zusammen mit seinem Bruder Wilhelm und fünf anderen Professorenkollegen, die später als "Göttinger Sieben" bekannten waren, gegen den Verfassungsbruch des neuen Königs Ernst August in Hannover. Dies führte noch im gleichen Jahr zur Entlassung Jacobs und Wilhelms als Professoren und zu Jacobs Ausweisung aus dem Königreich Hannover. Jacob und Wilhelm kehrten nach Kassel zurück, wo sie bei ihrem jüngeren Bruder Ludwig Emil wohnten.

1840 wurden beide Brüder vom neuen preußischen König Friedrich Wilhelm IV. als Mitglieder der "Akademie der Wissenschaften" mit einem Sondergehalt nach Berlin gelockt. Dort arbeiteten sie vor allem an ihrem großen "Deutschen Wörterbuch". Jacob Grimm zog 1848 für kurze Zeit als Abgeordneter in die erste Deutsche Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche ein. Da die Versammlungen nur sehr schleppend verlaufen waren und für ihn enttäuschende Ergebnisse geliefert hatten, legte er im Oktober sein Mandat nieder.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachten die Brüder gemeinsam in Berlin, wo sie auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof im Stadtteil Tempelhof nebeneinander begraben liegen. Wilhelm starb 1859 und Jacob 1863.

Dass die Menschen weltweit bei Grimms Märchen eine waldreiche Mittelgebirgslandschaft vor Augen haben, verdanken wir Ludwig Emil Grimm und vielen weiteren Illustratoren nach ihm. Da Märchen regional nicht verortet werden können,standen Jacob und Wilhelm Grimm einer Illustrierung ihrer Märchen eher kritisch gegenüber. So wurde auch erst die zweite Auflage von 1819/22 mit zwei Illustrationen ihres jüngeren "Malerbruders" Ludwig Emil Grimm versehen. Angeregt durch den Erfolg der englischen Ausgabe gaben die Brüder Grimm 1825 eine mit sieben Illustrationen ausgestattete Teilausgabe heraus. Ludwig Emil Grimm steckte darin zum Beispiel für das Märchen Rotkäppchen den bösen Wolf in Großmutters Nachthaube und schuf für Hänsel und Gretel den Prototyp der bösen Hexe vor ihrem verführerischen Hexenhaus. Die Szenen dieser Illustrationen wurden fast alle zwischen hier heimischen Wäldern, Bäumen und Bergen dargestellt. Dies hat zur Folge, dass viele der Gäste, die auf den Spuren der Grimms unterwegs sind, die Märchenhaftigkeit der Landschaft bewundern. Das typische hessische Landschaftsbild der Märchenbilder mit Dörfern, Burgen und in Tracht gekleidete Bewohner erschuf auch der Künstler Otto Ubbelohde. Mit seinen 444 konturierten Federzeichnungen versehen, erschien die Gesamtausgabe zwischen 1907 und 1909. Diese Ausgabe machte deutlich, dass rund 60 der Grimmschen Märchen sehr selten illustriert wurden, sodass heute bei den meisten Märchen nur die Illustrationen von Ubbelohde bekannt sind. 


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