Wandern kann verbinden, ohne dass dafür viele Worte nötig sind. Beim 123. Deutschen Wandertag in Kurort Oberwiesenthal wurde das besonders sichtbar. Der Deutsche Wandertag fand in diesem Jahr im Erzgebirge statt. Wandernde aus Deutschland und Europa waren unter dem Motto „bewegt verbunden“ unterwegs.
Ein besonderes Zeichen für die Verbindung von ökologischer Verantwortung und bürgerschaftlichem Engagement setzte der Deutsche Wanderverband gemeinsam mit dem Landestourismusverband Sachsen durch eine symbolische Baumpflanzung im Kurort Oberwiesenthal. Die Aktion, in deren Rahmen insgesamt rund 2.500 Bäume für die Entwicklung klimaresilienter Wälder gesetzt wurden, würdigte den Einsatz der zahlreichen ehrenamtlich Engagierten in der Wanderbewegung. DWV-Präsident Dr. Michael Ermrich unterstrich dabei die Bedeutung langfristiger Kooperationen: Ein Baum benötige ebenso Zeit wie ein guter Weg, und beides entstehe nur durch Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen. Die Pflanzung fungiert damit als bleibendes Symbol für Kontinuität sowie die enge Verknüpfung von Naturschutz und Tourismus in der Region.
Für den Deutschen Wanderverband war Kurort Oberwiesenthal zugleich ein Einschnitt. Die Mitgliederversammlung wählte Dirk Landau zum neuen Präsidenten. Der bisherige Präsident Dr. Michael Ermrich stellte in seiner Amtszeit die Weichen für einen Generationenwechsel und eine Weiterentwicklung des Verbandes. Zu den Vizepräsidenten wurden Thomas Gemke, Heike Krieg und Jobst Brüggemeier gewählt. Schatzmeisterin bleibt Dr. Angela Sabac-el-Cher.
Dirk Landau bringt langjährige Erfahrungen aus Wandervereinen, Naturschutz und Wegearbeit mit. Der 1964 geborene Augenoptiker war 22 Jahre selbstständig, arbeitete als Trekking-Guide in Nepal und Patagonien und war von 2003 bis 2019 Abgeordneter im Hessischen Landtag. Heute ist er unter anderem stellvertretender Vorsitzender und Hauptwegewart des Werratalvereins 1883, Landesnaturschutzwart im Wanderverband Hessen sowie DWV-zertifizierter Wanderführer und Wanderwegebestandserfasser. „Der Deutsche Wanderverband lebt von Menschen, die nicht nur über das Wandern sprechen, sondern Verantwortung übernehmen“, sagte Landau. „Ich möchte diese Menschen stärken und mich zugleich in der politischen Interessenvertretung des Verbandes einbringen. Wegearbeit, Naturschutz, Ehrenamt und die Freude am Wandern gehören zusammen. Der DWV muss dabei ein verlässlicher Partner für seine Mitgliedsorganisationen bleiben und zugleich offen sein für neue Formen des Wanderns und des Engagements.“
Landau folgt auf Dr. Michael Ermrich, der den Verband seit März 2025 geführt hatte. In seiner Amtszeit standen unter anderem die politische Interessenvertretung für Wanderwege, die Weiterentwicklung der Vereinsarbeit, Klimaanpassung und die Öffnung der Wandervereine für neue Zielgruppen im Mittelpunkt. Ein Beispiel ist die Initiative zur Reform des Bundeswaldgesetzes. Der DWV hatte sich gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband dafür eingesetzt, das Verweilen an einfachen Einrichtungen im Wald rechtlich dem Betreten des Waldes gleichzustellen. Das Bundeskabinett hatte dafür im Juli 2026 einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen. „Wir haben in einer Zeit des Übergangs wichtige Grundlagen geschaffen und den Verband zugleich auf neue Anforderungen ausgerichtet“, so Ermrich. „Jetzt kommt es darauf an, diese Arbeit fortzuführen und die Interessen der Wandervereine, der Wegearbeit und des Ehrenamtes weiterhin deutlich zu vertreten.“
Zum Abschluss seiner Amtszeit wurde Ermrich mit der Karl-Carstens-Medaille ausgezeichnet. Damit würdigte der Deutsche Wanderverband sein Engagement für den Verband und das Wandern. Wie Ermrich nicht mehr für das Amt des DWV-Präsidenten kandidierte, waren auch Werner Mohr und Heidrun Hiemer nicht mehr für die Wahl zum Vizepräsidenten angetreten.
Inhaltlich setzte die Mitgliederversammlung Akzente. Der Deutsche Wanderverband und die Deutsche Wanderjugend verabschiedeten ein Positionspapier zur Inklusion. Im Mittelpunkt steht die Idee, gesellschaftliche Teilhabe nicht auf die Möglichkeit zur Teilnahme an Wanderungen zu beschränken. Barrieren sollen abgebaut, Kommunikation zugänglicher gestaltet und Inklusion stärker in Ausbildung und Vereinsarbeit verankert werden. Menschen mit Behinderungen sollen nicht nur willkommen sein, sondern auch Möglichkeiten erhalten, Verantwortung zu übernehmen und das Vereinsleben mitzugestalten.
„Wandern endet nicht an einer Grenze“, sagt Landau. „Gerade hier im Erzgebirge wurde sichtbar, welche Kraft in gemeinsamen Wegen steckt. Europa wird konkret, wenn Menschen miteinander unterwegs sind und sich begegnen.“ Für Kurort Oberwiesenthal war die internationale Ausrichtung zugleich ein Blick auf die touristische und wirtschaftliche Zukunft des Kurortes. „Dass Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern Kurort Oberwiesenthal und das Erzgebirge für sich entdecken, ist ein wichtiges Signal. Wandern hat schon heute eine große wirtschaftliche Bedeutung für den Tourismus. Angesichts des Klimawandels wird sie weiter zunehmen, weil nachhaltige und naturverträgliche Formen des Reisens an Bedeutung gewinnen“, so Jens Benedict, Bürgermeister von Kurort Oberwiesenthal. „Der Deutsche Wandertag und die EURORANDO haben gezeigt, welches Potenzial darin liegt, Menschen aus Europa zusammenzubringen und für unsere Landschaft zu begeistern. Diese Aufmerksamkeit wollen wir nutzen und langfristig weiterentwickeln.“
Der Deutsche Wandertag findet seit 1883 meist jährlich an wechselnden Orten statt. Die mehrtägige Veranstaltung verbindet Wanderungen, Begegnungen, Kultur und Fachthemen und bietet den Mitgliedsorganisationen des Verbandes eine Plattform für Austausch und Vernetzung.




